Phimose

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Klassifikation nach ICD-10
N47 Vorhauthypertrophie, Phimose und Paraphimose
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Erigierter Penis mit Phimose

Die Phimose oder Vorhautverengung ist eine Verengung der Öffnung der Vorhaut des Penis. Dadurch lässt sich die Vorhaut nicht oder nur mit Schmerzen hinter die Eichel zurückziehen.

Die physiologische Phimose ist die natürliche Verklebung der Vorhaut mit der Eichel und kommt entwicklungsbedingt bei etwa 96 % der neugeborenen Jungen vor, löst sich aber in der Regel im Kindes- oder frühen Jugendalter. In weiterbestehenden Fällen kann sie als primäre Phimose Probleme bereiten. Bei der pathologischen („krankhaften“) Phimose ist eine medizinische Behandlung angezeigt. Eine Phimose kann auch im späteren Alter durch nachlassende Hautelastizität oder durch Narben von Verletzungen oder Entzündungen neu auftreten (erworbene oder sekundäre Phimose).

Physiologische Phimose[Bearbeiten]

Das Krankheitsbild Phimose ist von der entwicklungsbedingt nicht zurückziehbaren Penis-Vorhaut zu unterscheiden.

Bei der Geburt ist die Vorhaut mit der Eichel verklebt, um die empfindliche Eichel vor schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen. Vom Vorliegen dieser „physiologischen Phimose“, auch Präputialverklebung genannt, kann bei 96 % der unbehandelten neugeborenen Jungen ausgegangen werden. Die physiologische Phimose löst sich in der Regel im Kindes- oder frühen Jugendalter.

Nur sehr selten dauert es bis über das 17. Lebensjahr hinaus, ehe sich die Vorhaut von der Eichel gelöst hat und komplett zurückstreifbar wird. Kabaya et al. fanden 1996 im Rahmen ihrer Untersuchung von 603 japanischen Jungen im Alter zwischen 0 und 15 Jahren, dass in der Altersstufe 11–15 Jahre bei 62,9 Prozent der untersuchten Jungen die Vorhaut komplett zurückstreifbar war. Ishikawa und Kawakita untersuchten 242 japanische Jungen und fanden 2004 in der Altersstufe 11–15 Jahre in 77 Prozent der Fälle eine zurückziehbare Vorhaut. Concepción et al. untersuchten 1200 kubanische Jungen im Alter zwischen 0 und 16 Jahren und fanden 2008 in der Altersgruppe 11–16 Jahre in nur 0,9 Prozent der Fälle eine gar nicht zurückstreifbare Vorhaut; 80,9 Prozent der Fälle hatten eine komplett zurückziehbare Vorhaut. Jakob Øster fand 1968 im Rahmen seiner Untersuchung dänischer Schuljungen im Alter zwischen 6 und 17 Jahren, dass 1 Prozent der Jungen in der Altersstufe 16–17 Jahre eine Phimose und 3 Prozent präputiale Verklebungen aufwiesen.

Pathologische Phimose[Bearbeiten]

Eine pathologische Phimose besteht, wenn es infolge einer Fibrose oder einer Vernarbung der Präputium-Öffnung unmöglich ist, die Vorhaut verletzungsfrei über die Glans penis zurückzuziehen. Nebensymptome, die auf eine pathologische Phimose hinweisen können, sind:

  • Wiederkehrende Entzündungen der Eichel und/oder der Vorhaut
  • Verminderte Stärke und abweichende Richtung des Harnstrahles, ggf. Aufblähung der Vorhaut
  • Nachhaltiger Harnstau
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Ein weißlicher Ring von erhärtetem Narbengewebe, der sich an der Spitze der Vorhaut bildet, Narbenphimose genannt, verursacht durch chronische Balanitis xerotica obliterans (BXO), einer Hautkrankheit bislang noch ungeklärten Ursprungs. Der weißliche unelastische Ring erschwert das Zurückziehen der Vorhaut.

Wiederkehrende Entzündungen der verengten Vorhaut führen zu den genannten narbigen Veränderungen. Weiterhin bewirken brüske Retraktionsversuche Einrisse mit nachfolgender, sekundär narbig fixierter Phimose. Ein Lichen sclerosus et atrophicus, der zuerst zu einer Verklebung und dann zur sklerotischen Schrumpfung und dadurch Verengung der Vorhaut führt, ist teilweise genetisch bedingt.

Die pathologische Phimose ist behandlungsbedürftig.

Paraphimose[Bearbeiten]

Phimose bei zurückgezogener Vorhaut

→ Hauptartikel: Paraphimose

Paraphimose, auch „spanischer Kragen“ genannt, bezeichnet einen urologischen Notfall, bei dem die gewaltsam zurückgezogene, verengte Vorhaut die Glans penis einklemmt. Es kommt zur Störung des Blutabflusses und schmerzhaftem Anschwellen von Vorhaut und Eichel. Wenn sich das Ödem nicht durch Druck und vorsichtige Massage beseitigen lässt, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Dieser kann unter örtlicher Betäubung entweder die eingeklemmte Vorhaut oft erfolgreich wieder unblutig über die Eichel in die Normalposition vorziehen oder sie andernfalls operativ spalten (dorsale Inzision), um eine akute Schädigung der Eichel durch Mangeldurchblutung zu verhindern. Bei Nichtbehandlung droht neben starken Schmerzen auch durch Gangränbildung der Verlust der Eichel.

Behandlung[Bearbeiten]

Für die Behandlung der Phimose stehen nach heutigem medizinischen Stand zwei Hauptverfahren offen: konservative (nichtoperative) und operative Behandlungen. Forschungsbemühungen der letzten Jahre machen deutlich, dass konservative Maßnahmen sehr kostengünstig und effektiv sein können.

Eine konservative Behandlung ist einer operativen immer vorzuziehen. Eine operative Behandlung sollte erst angedacht werden, wenn eine nichtoperative Therapie gescheitert ist. So empfehlen Esposito et al. bei einer Phimose vom Grad 0 bis II (die Vorhaut kann voll oder bis zur Hälfte der Eichel zurückgezogen werden) gar keine Behandlung durchzuführen und bei einer Grad-III–V-Phimose (nur die Harnröhre ist sichtbar, oder die Vorhaut kann gar nicht mehr zurückgezogen werden) zunächst auf konservative Behandlungsmethoden (eine Behandlung mit steroidhaltigen Salben) zurückzugreifen. Erst wenn konservative Behandlungsversuche gescheitert sind, so Esposito et al., sei über einen operativen Eingriff nachzudenken.

Konservative Behandlung[Bearbeiten]

Die sogenannte konservative, d. h. nichtoperative Behandlung umfasst die Dehnung der Phimose oder das Lösen der Verklebung durch vorsichtiges Verschieben der Vorhaut – soweit dies schmerzfrei und ohne Widerstand möglich ist – unter Aufbringung corticoidhaltiger Salbenpräparate. Diese Maßnahme wird über einen längeren Zeitraum durchgeführt und hat bei sachgerechter Durchführung keine Nebenwirkungen (siehe Esposito et al.); insbesondere stellt sie keinen schwer reversiblen Eingriff dar. Die Erfolgsrate bei der konservativen Behandlung von Phimosen mit Salbenpräparaten liegt laut der Deutschen Gesellschaft für Urologie zwischen 50 % bis 75 %, gemäß neuerer medizinischer Studien sogar noch höher. Aufgrund ihrer Kosten-Nutzen-Bilanz werden konservative Verfahren heutzutage als Methode der Wahl zur Behandlung von Phimosen vorgeschlagen.

Operative Behandlung[Bearbeiten]

Indikationen für eine chirurgische Behandlung der Phimose sind:

Relative Indikationen für eine mögliche aber nicht zwingend notwendige chirurgische Behandlung sind:

Präputiumsplastik[Bearbeiten]

Erweiterungsplastik der Vorhaut

Eine Präputiumplastik oder Vorhautplastik bezeichnet eine Operationsmethode, bei der die Vorhaut vollständig erhalten bleibt. Hierbei werden ein kosmetisch gutes Operationsergebnis und eine vollständige Erhaltung der Vorhaut erreicht. Das Grundprinzip vieler dieser Vorhautplastiken besteht in einem oder mehreren kleinen Längsschnitten (Inzisionen) und der anschließenden Quervernähung der Wunddefekte. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Operationsverfahren:

  • Dorsalschnitt mit transversalen Verschlüssen: Bei dieser Operationstechnik erfolgt eine kleine Inzision längs durch den stenotischen (verengenden) Ring und wird anschließend quervernäht (transversal verschlossen).
  • Laterale Präputiumplastik: Die laterale Präputiumplastik stellt eine kleine Verfeinerung des Dorsalschnitts mit transversalem Verschluss dar. Hierbei werden zwei kleine laterale Längsschnitte ausgeführt und anschließend quervernäht.
  • Triple Inzision: Die Triple Incision ist eine Methode zur Vorhauterweiterung. Dabei erfolgen unter lokaler oder Allgemeinnarkose drei kleine Längsschnitte in die Vorhaut, welche auf die erforderliche Weite gedehnt und wieder vernäht werden.

Wenn nach einer erfolglosen Dehnungstherapie mit corticoidhaltiger Salbe ein operativer Eingriff unumgänglich wird, ist eine Präputiumplastik aufgrund ihrer geringeren Morbidität, geringeren Komplikationsrate und niedrigeren Kosten der klassischen Zirkumzision immer vorzuziehen.