Karl-Josef Laumann

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Karl-Josef Laumann, 2011, bei der Veranstaltung „25 Jahre AZK

Karl-Josef Laumann (* 11. Juli 1957 in Riesenbeck) ist ein deutscher Politiker (CDU). Seit Dezember 2013 ist er als beamteter Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit Bevollmächtigter der Bundesregierung für Patienten und Pflege.

Von 2005 bis 2010 war er Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und von 2010 bis 2013 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Nordrhein-Westfalen. Am 15. Mai 2012 - zwei Tage nach der vorgezogenen Landtagswahl in NRW, bei dem die CDU nur 26,3 Prozent erzielte (8,3 Prozentpunkte weniger als 2010) - wurde Laumann erneut einstimmig zum CDU-Fraktionsvorsitzenden gewählt.

In einem Interview kündigte er am 15. Mai an, für den durch den Rücktritt des CDU-Landesvorsitzenden Norbert Röttgen freigewordenen Posten zu kandidieren. Am 23. Mai erklärte Laumann, dass er auf den Vorsitz verzichtet und stattdessen Fraktionsvorsitzender im Düsseldorfer Landtag bleibt.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Laumann und seine zwei Brüder wuchsen in Birgte in einer konservativ-katholisch geprägten Familie auf. Er besuchte von 1968 bis 1974 die Harkenberg-Hauptschule in Hörstel, die er mit dem Hauptschulabschluss (Typ 10 A) abschloss. Schon während seiner Ausbildung zum Maschinenschlosser, die er bis 1977 absolvierte, wurde Laumann Mitglied der IG Metall. Seinen Wehrdienst (letzter Dienstgrad Obergefreiter) leistete er bis 1978 ab. Von 1978 bis 1990 war Laumann als Maschinenschlosser bei der NIEMEYER Agrartechnik GmbH in Hörstel-Riesenbeck tätig. In dieser Zeit war er auch als freigestellter Betriebsrat im Unternehmen aktiv.

Karl-Josef Laumann, verheiratet mit Agnes Laumann, ist Vater von drei Kindern und wohnt in Riesenbeck. Er gehört zu den sehr wenigen Personen in Deutschland, die es geschafft haben, mit einem Hauptschulabschluss Politiker in einer Spitzenposition einer Partei zu werden.

CDU-Politiker seit 1974[Bearbeiten]

Laumann begann seine politische Karriere bei der Jungen Union im Kreis Steinfurt, deren Ehrenvorsitzender er bis heute (2012) ist. Seit 1974 ist er Mitglied der CDU und seit 1977 auch der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). Laumann war von 1986 bis zum 4. November 2010 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Steinfurt und ist seit 2003 Vorsitzender des CDU-Bezirksverbandes Münsterland. Laumann gehört außerdem dem CDU-Bundesvorstand und seit 2004 auch dem Bundespräsidium der CDU an. Seit 2005 ist er Bundesvorsitzender der CDA (Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft). Er fühlt sich laut eigener Aussage besonders dem christlichen Menschenbild der CDU und dessen Soziallehren verpflichtet. Nach der Landtagswahl 2005 wurde Laumann am 25. Juni 2005 als Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in die von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers geführte Landesregierung von Nordrhein-Westfalen berufen.

Seit vielen Jahren ist Laumann in der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) aktiv. Im April 1998 wurde er zum Bezirksvorsitzenden der über 7000 Mitglieder zählenden KAB Nord-Münsterland gewählt.

CDU-Bundestagsabgeordneter 1990 bis 2005[Bearbeiten]

Laumann war von 1990 bis zu seinem Ausscheiden am 28. Juni 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 2000 bis 2002 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Arbeit und Soziales und von 2002 bis 2005 Vorsitzender der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Als direkt gewählter Abgeordneter hatte er den Wahlkreises Steinfurt II.

NRW-Landtag 2005 bis 2013[Bearbeiten]

Laumann bei einer Provinzial-Demo in Münster (2012)

Dem Nordrhein-Westfälischen Landtag gehört er seit dem 4. August 2005 an, als er für den ausgeschiedenen Abgeordneten Hans Peter Lindlar nachrückte. Von 2010 bis 2013 war er Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag. Bei der vorgezogenen NRW-Landtagswahl am 13. Mai 2012 verteidigte Laumann erfolgreich seinen Wahlkreis Steinfurt II mit 45,1 % der Erststimmen. Am 18. Dezember 2013 legte Laumann sein Mandat und somit auch den CDU-Landtagsfraktionsvorsitz nieder.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Kurz vor dem CDU-Parteitag im November 2006 stieß Laumann eine Diskussion über die Sozialsysteme an, als er sich in einem Interview gegenüber der Westdeutschen Zeitung äußerte: „Das Prinzip, dass jemand, der lange Beiträge gezahlt hat, auch längere Zeit das Arbeitslosengeld I bezieht als ein junger Säufer, der nichts geleistet hat, ist richtig und sozial“. Diese Äußerung war sowohl in der Union als auch in der Gesellschaft Anlass zu Diskussionen. Während eher links stehende Gruppierungen die Wortwahl stark kritisierten und Entschuldigungen forderten, erhielt Laumann aus dem bürgerlichen Lager und aus den Gewerkschaften positive Rückmeldungen. Auf dem Parteitag selbst gab es ein spürbares Umschwenken der CDU zu den Vorschlägen von Rüttgers und Laumann hin, die soziale Kompetenz der Partei zu stärken und als Lehren aus der Bundestagswahl auf diesem Feld wieder aktiver zu werden.

Mitte November 2011 stimmte die Bundes-CDU auf ihrem Parteitag in Leipzig für einen Entwurf, der alle Branchen zur Festlegung eines Mindestlohnes zwingt. Laumann kämpfte jahrelang für dieses Projekt; 2011 sprachen sich auch Kanzlerin Angela Merkel, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und andere CDU-Spitzenpolitiker dafür aus.

Im Mai 2012 äußerte Laumann sein Unverständnis über die Entlassung von Bundesumweltminister Röttgen durch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Laumann wurde vielfach mit dem Satz zitiert „Die heutige Entlassung von Norbert Röttgen erschreckt mich. Ich verstehe nicht, dass Norbert Röttgen bis Sonntagabend 18 Uhr als der hervorragende Umweltminister galt, der er war, und heute entlassen wird“.

Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Ehrungen[Bearbeiten]

Kabinett[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karl-Josef Laumann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl-Josef Laumann: Fraktionschef mit „sozialen Gewissen“.
  2. spiegel.de 15. Mai 2012: Laumann als Fraktionschef wiedergewählt
  3. www.muensterschezeitung.de: Interview
  4. Kölner Stadt-Anzeiger 23. Mai 2012: [1]
  5. AZ Allgemeine Zeitung (Münsterland) Schulze Föcking folgt Laumann Abgerufen am 5. November 2010
  6. Tagesschau vom 24. November 2006 (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[2] [3] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung
  7. zeit.de: Der Mindestlohn-Flüsterer. - Jahrelang kämpfte er für seine Idee, nun ist er fast am Ziel: Wie der Sozialpolitiker Karl-Josef Laumann seiner CDU den Mindestlohn beibrachte.
  8. faz.net: [4], sueddeutsche.de, spiegel.de